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Ausstellen des Ausstellens · Staatliche Kunsthalle Baden-Baden

3. März 2018 - 17. Juni 2018

7€
ISOLATION Fabian Knecht · Staatliche Kunsthalle Baden-Baden ©010318 Foto: KlausAbel

Von der Wunderkammer zur kuratorischen Situation

Die Große Sonderausstellung des Landes Baden-Württemberg in der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden im Frühjahr 2018 beschäftigt sich mit dem Ausstellen selbst. Erkundet wird, was es eigentlich heißt, etwas auszustellen und wie sich folglich zeigen lässt, was Ausstellen bedeutet.

„Ausstellen des Ausstellens“ blickt in die Vergangenheit, auf das Heute und vermittelt damit auch einen Ausblick in die Zukunft des Ausstellens. Die Schau nimmt ihren Ausgangspunkt bei den Vorläufern der modernen Museen und endet bei aktuell zu erlebenden kuratorischen Situationen. Sie versammelt mehrere hundert Werke und zeigt beispielsweise, wie Objekte in frühen Kunstkammern präsentiert wurden, welche Formen des Zeigens im 20. Jahrhundert aufkamen, und wie Kunst heute präsentiert wird.

Prolog

Den Prolog bildet eine historische Sektion in den Räumen der Kunsthalle. Hier werden Grundrisse, Hängepläne, Galeriebilder oder Instrumentarien des Zeigens, wie historische Vitrinen und Sockel, präsentiert. Gemeinsam dokumentieren sie frühe Ausstellungsformen von Kunst- und Sammlungskabinetten des 17. und 18. Jahrhunderts. Unter anderem sind zwei der frühesten Fotografien einer Ausstellung überhaupt zu sehen. Die Leihgaben aus dem Pariser Musée d’Orsay dokumentieren den Pariser Salon im Jahr 1852 und bezeugen damit diesen Moment in der Chronologie des Ausstellens.

Hauptteil

Im 20. Jahrhundert wurden viele neuartige Displays ausprobiert und dies besonders von den Künstlern selbst. Manche waren so radikal, dass sie immer noch revolutionär anmuten. Drei dieser wegweisenden Entwürfe werden exemplarisch in der Kunsthalle thematisiert und durch zeitgenössische künstlerische Positionen reflektiert: das „Kabinett der Abstrakten“ von El Lissitzky, Friedrich Kieslers Entwurf für The Art of this Century Gallery – die Galerie von Peggy Guggenheim in New York – sowie Marcel Broodthaers’ Befragung musealer Ordnungsprinzipien.

Das Nachdenken über die Infrastruktur des Ausstellens gehört auch zu den zentralen Topoi der zeitgenössischen Kunst. Etwa wenn Kamen Stoyanov eine Steckdose auf einen Sockel stellt, ohne dass diese ihre Funktion verliert. Wenn Andrea Fraser die Vermittlung einer Ausstellung im Guggenheim Museum in Bilbao allzu wörtlich nimmt und in ihrer Videoarbeit „Little Frank and his Carp“ den Anweisungen des Audio-Guides folgeleistend auf Tuchfühlung mit den Wänden der Architektur des Museum geht. Oder wenn Karin Sander die Besucher der Kunsthalle, des Museums Frieder Burda, des Stadtmuseums und des Museums für Kunst und Technik des 19. Jahrhunderts einlädt, Teil einer kleinen soziologischen Studie zu werden. Statt ihre Mäntel, Regenschirme oder Rücksäcke in anonymen Schließfächern zu verstauen, können sie diese während des Besuchs in Museumsvitrinen zur Schau stellen.

Kuratorische Situationen im Außenraum

Ein umfangreicher Teil der Schau ist zudem mit aktuellen Arbeiten außerhalb der Kunsthalle zu erleben. So wird deutlich, dass sich fern von klassischen Präsentationsräumen fast jede beliebige Stätte zum temporären Ausstellungsort umfunktionieren lässt. Allerorten entstehen sogenannte kuratorische Situationen. Verschiedene traditionsreiche Geschäfte zeigen in ihren Schaufenstern etwa von Arbeitskleidung inspirierte Kostüm-Entwürfe von Maria Miottke, in den verschiedenen Auslagen verstecken sich zwischen kulinarischen Luxusgütern Marzipanskulpturen von Pae White. Auch die Bäume der berühmten Lichtentaler Allee werden bespielt. Unter anderem isolieren die weißen Wände von Fabian Knechts White Cube ein ausgewähltes Stück Landschaft und grenzen es von der Umwelt ab. Dadurch verändert sich nicht nur der Blick auf das Ausgestellte, sondern auch das Ausstellen selbst – der zugehörige architektonische Raum ist nicht mehr nur Hintergrund, sondern wird selbst zum Werk.

Bei allem Wandel, bleibt in der mehrere Jahrhunderte umfassenden Geschichte des Ausstellens jedoch eines konstant: Ausstellungen ohne Publikum werden nicht gesehen!

Katalog: Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog im Verlag Hatje Cantz. Die Publikation versteht sich als Erweiterung des für die Ausstellung konzipierten Displays. So werden keine Fotografien der ausgestellten Exponate präsentiert. Stattdessen übersetzen Illustratoren die Werke in Zeichnungen; eine ganz eigene Methode, den Ausstellungskatalog selbst als „Instrument des Zeigens“ zu untersuchen. Alle Zeichnungen werden auch in die Ausstellung integriert und sind neben den Exponaten zu sehen, um eine weitere Reflexionsebene zu eröffnen.

Mit Zeichnungen von Matthias Beckmann, Bea Davies, Yves Haltner, Anje Jager, Julia Pietschmann, Alexander Roob, Silke Schatz, Pedro Stoichita, Anna M. Szaflarski.

Ausstellungseröffnung: Am Eröffnungsabend sind zudem zwei besondere Ausstellungsorte zu erleben: John Bock wird gemeinsam mit Kris Limbach ein Konzert in der berühmten Konzertmuschel vor dem Kurhaus/Casino geben. Der kleine Fluss Oos, direkt vor der Kunsthalle wird zum Schauplatz einer von Kaari Upson konzipierten Performance; von 17-21 Uhr geht es dort um schamanistische Wahrsagerituale.

 

Öffnungszeiten:

Staatliche Kunsthalle Baden-Baden: Di-So 10-18 Uhr
an allen Feiertagen geöffnet, außer 24. und 31. Dezember

Preise: 7 €, ermäßigt 5 €, Freitag freier Eintritt

Text: Kunsthalle Baden-Baden

Details

Beginn:
3. März 2018
Ende:
17. Juni 2018
Eintritt:
7€
Veranstaltungskategorie:
Veranstaltung-Tags:
Webseite:
http://www.kunsthalle-baden-baden.de/de/category/programm/

Veranstalter

Staatliche Kunsthalle Baden-Baden
Webseite:
http://www.kunsthalle-baden-baden.de

Veranstaltungsort

Kunsthalle Baden-Baden
Lichtentaler Allee 8a
Baden-Baden, Baden-Württemberg 76530 Deutschland
+ Google Karte
Telefon:
+49-7221-30076-400
Webseite:
www.kunsthalle-baden-baden.de