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KARIN KNEFFEL

12. Oktober 2019 @ 10:00 - 8. März 2020 @ 18:00 CEST

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„Ich möchte, dass Räume und Zeiten, Gegenwart und Vergangenheit
in meinen Bildern verschmelzen. Was ist Realität, was Fiktion, wo fängt
die Bildwirklichkeit an?“ Karin Kneffel

1957 geboren, gehört die Meisterschülerin Gerhard Richters zu den bedeutendsten deutschen Malerinnen der Gegenwart. Die aktuelle Retrospektive im Museum Frieder Burda wurde in enger Zusammenarbeit mit der Künstlerin konzipiert und in Kooperation mit der Kunsthalle Bremen realisiert. Sie dokumentiert mit rund 140 Werken aus drei Jahrzehnten den Weg von ihren überdimensionalen Gemälden von Früchten, mit denen Kneffel in den frühen 1990er-Jahren international bekannt wurde, hin zur Konstruktion von komplexen malerischen Interieurs, in denen Zeit- und Bildebenen, Kunst, Architektur und Film miteinander verschmelzen.

Karin Kneffel untersucht die Wirkungsmacht der Malerei, sie reizt die Möglichkeiten realistischer Darstellung bis ins Extrem aus. Ihre Obst-, ihre Blumen- und Tierbilder „drängen― aus dem Bild heraus – und dem Betrachter förmlich entgegen: Äpfel, Pfirsiche und Trauben wirken mit ihren im Barocken schwelgenden Formen zum Greifen nah. Blumen laden ein wie ein Geschenk und appellieren synästhetisch an Seh- wie Geruchssinn. Die Augen der Tiere nehmen direkten Blickkontakt auf und aktivieren einen emotionalen Impuls, der Leinwandformat und Bildgrenze überwindet. Und das lodernde Feuer droht gleich aus dem Rahmen „hinauszuspringen―. Aber selbst bei den heißesten Temperaturen kühlt die Perfektion der Komposition die Bildwirkung wieder magisch herunter.

Die Bildmacht kann jedoch auch in eine andere Richtung wirken: Mit ihren späteren, sehr vielschichtigen Interieurs hingegen kreiert Kneffel einen Sog ins Innere des Bildes: Hindurch oder vorbei an kunstvoll aufgesetzten Wassertropfen dringt der Blick in geheimnisvolle Räume voller bezugsreicher Personen-Konstellationen, in denen vieles ohne jede Hierarchien in einem räumlichen Nebeneinander existiert: Eine Putzfrau kniet neben einer Lehmbruck-Skulptur. Ein Vorhang gibt den Blick frei auf die theatralische Kulisse eines modernistischen Gebäudes. Nicht selten ersetzt dabei die formalisierte Skulptur den lebenden Menschen.

Häufig steigern malerische Verwischungen oder Spiegel und ihre Reflektionen die Komplexität des Bildraums zusätzlich und entführen den Blick des Betrachters in ein ironisches Wechselspiel von Wirklichkeit und Illusion, häufig eröffnet das Bild im Bild einen noch tiefergehenden Blick in noch weiter – zeitlich wie räumlich – zurückliegende Bildwelten, gespeist von persönlichen Erinnerungsfragmenten, von einprägsamen Filmsequenzen und nachwirkenden Museumsbesuchen. Genau dazwischen – zwischen Realität und Illusion, zwischen Innen- und Außenwelt, ihren anziehenden wie abweisenden Effekten – liegt die Bildfläche, die Leinwand, auf der Kneffel so obsessiv stundenlang und zugleich mit bestechender Präzision das Maximum aus Pinsel und Farbe herausholt.

„Das ist schon kompliziert mit diesen Durchblicken, Tropfen, Nah- und Fernsichten, flachen Scheiben und gleichzeitigen Raumtiefen. Von einer solchen Szene gibt es kein Foto. Ich muss mir das Licht überlegen, die Spiegelungen oder die Dampfbeschläge. Ich konzipiere lange herum, auch am Computer. Dann zeichne ich, probiere weiter. Der Arbeitsprozess dauert im Vorlauf schon lange. An einigen Bildern arbeite ich gedanklich mehrere Monate―, so die Künstlerin selbst über ihre Arbeitsweise. Die Richter-Schülerin malt gegen eine von Männern dominierte Moderne an, wie sie den Weg in die Museen gefunden – und dabei die Leistungen der Frauen oft genug vergessen hat.

Waren in Richters Malerei das Verwischen und die Unschärfe malerische Mittel für die Auseinandersetzung mit der eigenen Biografie, deutscher Vergangenheit und Kunstgeschichte, ist es bei Kneffel das Verschwommene, Spiegelnde. Sie erschafft eine halluzinogene Malerei, die unterschiedliche Aggregatzustände annehmen kann. Die gemeinsam mit der Künstlerin durchkomponierte Ausstellung lässt den Magnetismus ihrer Bilder voll auf den Betrachter wirken. Im Parcours entwickelte Themenfelder wie die Tierporträts, die Obstdarstellungen oder die Interieurs multiplizieren ihre Wirkung in der räumlichen Verdichtung – und zugleich erlaubt die offene Raumgestaltung, sich dem Kosmos der Kunst von Karin Kneffel in seiner ganzen Vielschichtigkeit zu nähern, ja sich ihm auszuliefern als einer sehr intensiven ästhetischen Erfahrung.

Öffnungszeiten Dienstag bis Sonntag, 10 – 18 Uhr, an allen Feiertagen geöffnet

Text: Frieder Burda Museum
Bilder: Karin Kneffel, Ohne Titel, 180 x 240 cm © VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Karin Kneffel, ohne Titel, 1996 + 1996 © VG Bild-Kunst, Bonn 2019; Foto Thomas Bruns
Karin Kneffel, ohne Titel, 2009; dreiteilig © VG Bild-Kunst, Bonn 2019; Foto Thomas Bruns

 

Details

Beginn:
Oktober 12 @ 10:00
Ende:
8. März 2020 @ 18:00
Veranstaltungskategorie:

Veranstaltungsort

Frieder Burda Museum
Lichtentaler Allee 74
Baden-Baden, Baden-Württemberg 76530 Deutschland
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Telefon:
07221 39898-0
Webseite:
https://www.museum-frieder-burda.de