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Nina Canell · Muscle Memory , Kunsthalle Baden-Baden

Juli 6 @ 8:00 - Oktober 20 @ 17:00 CEST

7€
Nina-Canell,-Brief-Syllable-(Tripled),-2018,-Subsea-signalling-cable,-concrete,-steel,-116-×-11.5-×-11.5-cm,-Courtesy-the-artist-and-Galerie-Barbara-Wien_Foto_NickAsh

Die Staatliche Kunsthalle Baden-Baden präsentiert mit „Muscle Memory“ die erste institutionelle Einzelausstellung der schwedischen Künstlerin Nina Canell in Deutschland seit acht Jahren. Die großangelegte Präsentation vereint mehr als 20 Werke der international renommierten Bildhauerin, darunter auch neue, eigens für Baden-Baden geschaffene Arbeiten.

Der Titel „Muscle Memory“ verweist auf die Auffassung der Künstlerin von Skulptur als Abdruck vergangener Prozesse. In ihren Arbeiten untersucht Nina Canell daher immer wieder, ob sich Erinnerung materialisiert, und wo sich diese finden lässt. So setzt die Schwedin beispielsweise in der Installation „Flexions“ Formgedächtnisdraht in regelmäßigen Abständen unter Strom. Dadurch verändert dieser seine Form, kann sich jedoch stets wieder in seine ursprüngliche Gestalt zurückverwandeln: ein visuelles Erlebnis, das durch Lautsprecher und Funktionsgeneratoren zudem hörbar gemacht wird.

In Canells Arbeiten spielen Systeme sowie physikalische oder chemische Prozesse eine wichtige Rolle, die pneumatische Berührung, Wärme, unterirdische Kabel und Elektrostatik miteinbeziehen können. Die Künstlerin versteht Wahrnehmung als eine Art Energieübertragung, die in der jeweiligen Körperlichkeit vorkommt. Dieser skulpturale Ansatz ist dadurch geprägt, dass Prozesse im Vordergrund stehen.

Das wird gleich im großen Oberlichtsaal der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden deutlich: Hier ist die in Zusammenarbeit mit Robin Watkins (*1980 in Stockholm, SE) entstandene Arbeit „Reflexologies“ zu sehen. Dabei handelt es sich um eine Ermüdungsprüfmaschine, wie sie in Prüfanstalten unter anderem zur Ermittlung von Druckfestigkeit, Lebensdauer oder Verschleiß von verschiedenen Materialien verwendet wird. Bei Canell und Watkins wird eine blaue, elastische Kunststoffkugel geprüft, die – mit Luft gefüllt – dem Druck nachgibt, den die KünstlerInnen bestimmt und programmiert haben. So wird die Maschine durch den alternierenden Rhythmus ständig in Bewegung gehalten und erinnert an das Geräusch von Aus- und Einatmen.

Bei „Brief Syllables“, die teils extra für Baden-Baden konzipiert wurden, handelt es sich um Teilstücke von Seekabeln und unterirdischen Kabeln, die eine ausnehmend ästhetische und organisierte Anordnung von metallenen Leiterelementen, Isolationsmaterial und Armierungen enthalten, wie sie für einen Großteil unserer Kommunikation – wie Internet oder Telefongespräche – sowie unserer postindustriellen Infrastruktur – Licht und Strom – zum Einsatz kommen und genutzt werden. Ihrer ursprünglichen Verwendung beraubt, stehen sie sinnbildhaft für die grenzüberschreitenden Transferwege von Elektrizität über große Distanzen hinweg.

Die „Polyethylene Feels“ wiederum sind aus handelsüblicher Kunststofffolie konzipiert, die mit metallhaltigem Spray indirekt besprüht wurden. Dieser flächige Film wird durch den Umgang und die Berührung durch Finger, Kleider oder Haare gestört. Dank der elektrostatischen Aufladung, bilden die hinterlassenen Kupferpartikel miteinander verzweigte Muster auf der Oberfläche, die an magnetische Feldlinien oder organisches Zellwachstum erinnern. Canells Arbeiten sind das Ergebnis präziser Beobachtungen vermeintlich nicht ästhetischer und teils verborgener Bereiche. Durch diese ist es möglich, Neues zu entdecken und dadurch die Welt besser zu verstehen.

Nina Canell (*1979 in Växjö, SE) studierte in Dublin (IE) und lebt und arbeitet in Berlin. Sie nahm an zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen teil, wie im Nordischen Pavillon auf der Biennale in Venedig, (IT, 2017), dem Museo Tamayo, Mexiko-Stadt (MX, 2017), dem Moderna Museet, Stockholm (SE, 2014), dem Hamburger Bahnhof Museum für Gegenwart, Berlin (DE, 2013, zusammen mit Rolf Julius). Zuletzt war ihre Arbeit Gegenstand einer Einzelausstellung im Centre d’art contemporain d’Ivry – Le Crédac, Ivry-sur-Seine (FR), im Stedelijk Museum for Actuele Kunst – S.M.A.K., Gent (BE), und im Kunstmuseum St. Gallen (CH). Canell hat in den letzten anderthalb Jahrzehnten mehrfach mit dem irisch-schwedischen Künstler Robin Watkins (*1980) zusammengearbeitet, unter anderem auf der Sydney Biennale, der Cuenca Biennale und im Fridericianum in Kassel.

Zu der von Hendrik Bündge kuratierten Ausstellung erscheint ein Katalog mit einem Interview der Künstlerin und zahlreichen Abbildungen der letzten fünfzehn Jahre im Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln.

 

 

Öffnungszeiten:

Staatliche Kunsthalle Baden-Baden: Di-So 10-18 Uhr

an allen Feiertagen geöffnet, außer 24. und 31. Dezember

 

Preise: 7 €, ermäßigt 5 €, Freitag freier Eintritt

 

Die Staatliche Kunsthalle Baden-Baden ist eine Einrichtung des Landes Baden-Württemberg unter der Trägerschaft des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg.

Nina Canell. Muscle Memory
6. Juli – 20. Oktober 2019
July 6 – October 20, 2019

Eröffnung mit Sommerfest: 5. Juli, 19 Uhr

Opening and summer party: July 5, 7 pm

Bilder: Nina-Canell,-Brief-Syllable-(Tripled),-2018,-Subsea-signalling-cable,-concrete,-steel,-116-×-11.5-×-11.5-cm,-Courtesy-the-artist-and-Galerie-Barbara-Wien_Foto_NickAsh

Text: Kunsthalle Baden-Baden

Details

Beginn:
Juli 6 @ 8:00
Ende:
Oktober 20 @ 17:00
Eintritt:
7€
Veranstaltungskategorie:

Veranstaltungsort

Kunsthalle Baden-Baden
Lichtentaler Allee 8a
Baden-Baden, Baden-Württemberg 76530 Deutschland
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Telefon:
+49-7221-30076-400
Webseite:
www.kunsthalle-baden-baden.de